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Deutschland plant weltweit erstes dediziertes Neuro-Datenschutzgesetz
Berlin, 09. Dezember 2025 – In einem historischen Vorstoß hat die Bundesregierung heute Eckpunkte für ein neues „Neuro-Datenschutzgesetz“ (NeuroDSG) vorgestellt. Deutschland könnte damit das erste Land weltweit werden, das den Schutz mentaler Daten und die sogenannte „kognitive Freiheit“ in einem eigenständigen Gesetzeswerk kodifiziert.
Der Vorstoß reagiert auf die rasanten Fortschritte bei Brain-Computer-Interfaces (BCIs) und Consumer-Neurotechnologie, die zunehmend den Massenmarkt erreichen.

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Die Lücke in der DSGVO schließen
Bislang fallen Hirndaten – also Daten, die mittels EEG, fMRT oder Implantaten gewonnen werden – unter die Kategorie der Gesundheitsdaten nach Artikel 9 der DSGVO. Kritiker und Datenschützer, darunter der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI), warnen jedoch seit Langem, dass dies nicht ausreicht.
„Neurodaten sind mehr als nur Gesundheitsdaten; sie sind der direkte Zugang zum menschlichen Bewusstsein“, erklärte Bundesjustizministerin Dr. Stefanie Hubig (SPD) bei der Pressekonferenz in Berlin. Das Problem: Während die DSGVO die Verarbeitung von Daten regelt, greift sie oft zu kurz bei der Interpretation dieser Daten durch KI. Moderne Algorithmen können aus vermeintlich harmlosen Hirnströmen bereits emotionale Zustände, politische Präferenzen oder unbewusste Reaktionen auf Werbung auslesen („Neuro-Profiling“).
Die drei Säulen des geplanten Gesetzes
Der Referentenentwurf, der im ersten Quartal 2026 in den Bundestag eingebracht werden soll, stützt sich auf drei zentrale Prinzipien, die oft als „Neuro-Rechte“ bezeichnet werden:
Mentale Privatsphäre (Mental Privacy):
Das Gesetz soll ein absolutes Recht auf die Undurchsichtigkeit der eigenen Gedanken verankern. Die kommerzielle Auswertung neuronaler Daten zu Werbezwecken soll strikt untersagt werden, selbst bei vorliegender Einwilligung (Verbot mit Erlaubnisvorbehalt wird zum strikten Verbot in bestimmten Sektoren).
Kognitive Freiheit und Selbstbestimmung:
Nutzer müssen die volle Kontrolle darüber behalten, wie ihre neurobiologischen Signale genutzt werden. Das Gesetz plant eine „Entkopplungspflicht“: Neurotech-Geräte (wie smarte Kopfhörer mit EEG-Funktion) müssen auch dann voll funktionsfähig sein, wenn der Nutzer der Datenspeicherung in der Cloud widerspricht.
Schutz vor Manipulation (Mental Integrity):
Besonders brisant ist der Einsatz von „schreibenden“ BCIs, die das Gehirn stimulieren. Das Gesetz sieht vor, dass jede Form der technologischen Einflussnahme auf das Nervensystem, die das Verhalten unbemerkt ändern könnte (Nudging auf neuronaler Ebene), unter Strafe gestellt wird, sofern keine medizinische Indikation vorliegt.
Reaktionen aus Wirtschaft und Ethikrat
Der Deutsche Ethikrat begrüßte den Vorstoß als „überfällig“. In einer Stellungnahme hieß es, dass die Integrität der Psyche das letzte Rückzugsgebiet des Menschen sei, das unter keinen Umständen der Datenökonomie geopfert werden dürfe.
Aus der Tech-Branche kommt hingegen Gegenwind. Der Bundesverband Digitale Wirtschaft warnt vor einem „deutschen Alleingang“, der Innovationen im Bereich der Neuro-Medizin und des Gaming-Sektors abwürgen könnte. Start-ups, die an der Steuerung von Computern per Gedanken arbeiten, befürchten Rechtsunsicherheit und fordern eine europäische Lösung im Einklang mit dem kürzlich verabschiedeten AI Act.
Ausblick
Mit dem Gesetz würde Deutschland eine Vorreiterrolle einnehmen, ähnlich wie Chile, das bereits Neuro-Rechte in seine Verfassung aufgenommen hat. Experten erwarten, dass das deutsche Gesetz als Blaupause für eine zukünftige EU-Richtlinie dienen könnte. Bis zur Verabschiedung wird jedoch ein harter politischer Ringkampf erwartet – im Zentrum steht die Frage: Wem gehören unsere Gedanken?
Grundlagen und weiterführende Literatur
1. Das Vorbild Chile (Realität) Chile war 2021 das erste Land der Welt, das „Neuro-Rechte“ (Neuro-Rights) in seine Verfassung aufgenommen hat. Dies dient oft als Referenz für europäische Debatten.
2. Deutscher Ethikrat (Realität) Der Deutsche Ethikrat hat sich bereits intensiv mit dem Verhältnis von Mensch und Maschine auseinandergesetzt. Die im Artikel erwähnte Haltung spiegelt die Kernaussagen der Stellungnahme von 2023 wider.
3. UNESCO und internationale Standards (Realität) Die UNESCO führte im Sommer 2023 eine globale Konferenz zur Ethik der Neurotechnologie durch und arbeitet an einem normativen Rahmenwerk.
4. Datenschutz und Technikfolgenabschätzung (Realität) Das Büro für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) und der Bundesbeauftragte für den Datenschutz (BfDI) warnen regelmäßig vor Lücken bei der Erfassung biometrischer und gesundheitsbezogener Daten durch Consumer-IoT-Geräte.
5. Fachliteratur / Experten (Realität) Die im Artikel genannten Begriffe wie „Mental Privacy“ und „Cognitive Liberty“ stammen maßgeblich von der Juristin Nita Farahany und dem Neurobiologen Rafael Yuste (Neurorights Foundation).
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Buchtipp: Nita Farahany: „The Battle for Your Brain: Defending the Right to Think Freely in the Age of Neurotechnology“ (2023).
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