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Achtung, Abzocke! Der „Enkeltrick 2.0“ auf WhatsApp

Es beginnt harmlos: Ein „Bing“ auf dem Smartphone, eine neue WhatsApp-Nachricht. „Hallo Mama, mein Handy ist kaputt, das ist meine neue Nummer. Kannst du die hier einspeichern?“

Was wie eine alltägliche Situation aussieht, ist oft der Beginn einer perfiden Betrugsmasche, die Polizei und Verbraucherschützer als „Enkeltrick 2.0“ bezeichnen. Anders als beim klassischen Enkeltrick am Telefon müssen die Täter hier nicht einmal schauspielerisches Talent beweisen – sie verstecken sich hinter Textnachrichten.

In diesem Artikel erfahren Sie, wie die Masche funktioniert, warum sie psychologisch so effektiv ist und wie Sie sich und Ihre Angehörigen schützen können.

Der „Enkeltrick 2.0“ auf WhatsApp

Themenübersicht

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Wie der Betrug abläuft: Das Drehbuch der Täter

Die Betrüger gehen dabei fast immer nach demselben Muster vor. Der Ablauf lässt sich in drei Phasen unterteilen:

Phase 1: Die Kontaktaufnahme (Der Köder)

Sie erhalten eine Nachricht von einer unbekannten Nummer. Die Ansprache ist familiär: „Hallo Mama“, „Hallo Papa“ oder „Hallo Oma“. Sofort wird eine plausible Erklärung für die fremde Nummer geliefert:

  • „Mein Handy ist ins Wasser gefallen.“
  • „Ich habe mein Handy verloren.“
  • „Die SIM-Karte ist defekt.“

Das Ziel: Sie sollen die unbekannte Nummer als die Ihres Kindes oder Enkels abspeichern und die alte Nummer löschen. Damit wird der Kommunikationsweg zum echten Angehörigen mental abgeschnitten.

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Phase 2: Der Aufbau von Vertrauen

  • Antworten Sie auf die Nachricht, chatten die Betrüger kurz mit Ihnen. Sie nutzen viele Emojis (😘, ❤️), fragen, wie es Ihnen geht, und simulieren Nähe. Da man auf WhatsApp keine Stimme hört, fällt der Betrug in dieser Phase kaum auf.

Phase 3: Die Falle schnappt zu

Sobald das Vertrauen etabliert ist – oft schon nach wenigen Minuten – kommt das eigentliche Anliegen. Wegen des neuen Handys (oder der fehlenden Banking-App auf dem Ersatzgerät) könne das „Kind“ angeblich keine dringenden Überweisungen tätigen.

  • „Ich muss dringend eine Rechnung bezahlen, aber meine Bank-App geht auf dem neuen Handy noch nicht.“
  • „Kannst du das kurz für mich vorstrecken? Ich gebe es dir morgen sofort zurück.“

Oft wird um eine Echtzeitüberweisung gebeten, damit das Geld sofort bei den Betrügern ist und nicht mehr zurückgeholt werden kann.

Die Alarmzeichen: Woran Sie den Betrug erkennen

Auch wenn die Nachrichten täuschend echt wirken können, gibt es fast immer klare Warnsignale. Seien Sie misstrauisch, wenn:

  • Die unbekannte Nummer: Das ist das offensichtlichste Zeichen. Speichern Sie die Nummer nicht sofort ab.
  • Die Geschichte vom kaputten Handy: Dies ist der Standard-Vorwand der Betrüger.
  • Dringlichkeit: Betrüger bauen Zeitdruck auf („Die Rechnung muss heute noch raus!“).
  • Geld wird gefordert: Egal wie plausibel die Geschichte klingt – sobald per WhatsApp nach Geld gefragt wird, sollten alle Alarmglocken läuten.
  • Kein Anruf möglich: Bieten Sie an zu telefonieren, haben die Täter immer eine Ausrede (Mikrofon kaputt, gerade in einer Besprechung, schlechtes Netz).

Wichtig: Betrüger nutzen oft öffentliche Daten aus sozialen Netzwerken, um Sie gezielt anzusprechen (z. B. Vornamen verwenden). Nur weil jemand Ihren Namen kennt, ist er kein Verwandter!

So reagieren Sie richtig: Der Sicherheits-Check

Wenn Sie eine solche Nachricht erhalten, bewahren Sie Ruhe. Befolgen Sie diese Schritte:

  • Nicht antworten: Oder brechen Sie den Kontakt sofort ab, wenn Sie bereits geschrieben haben.
  • Der Kontrollanruf: Rufen Sie Ihr Kind oder Ihren Enkel unter der ALTEN, Ihnen bekannten Nummer an. Wenn dort jemand abhebt (oder die Mailbox drangeht), wissen Sie sofort: Die Nachricht von der „neuen Nummer“ ist ein Fake.
  • Die Sicherheitsfrage: Wenn Sie unsicher sind, stellen Sie im Chat eine Frage, die nur der echte Verwandte beantworten kann.

Falsch: „Bist du es, Michael?“ (Damit liefern Sie den Namen).

Richtig: „Wie hieß unser erster Hund?“ oder „Welches Geschenk habe ich dir zur Einschulung gemacht?“

Blockieren und Melden: Nutzen Sie die Funktion in WhatsApp, um die Nummer zu blockieren und als Spam zu melden.

Notfallplan: Was tun, wenn Sie bereits überwiesen haben?

Es ist passiert – Sie wollten helfen und haben Geld überwiesen. Schämen Sie sich nicht, das kann jedem passieren. Handeln Sie jetzt aber schnell:

  • Bank sofort kontaktieren: Rufen Sie sofort Ihre Bank an. Bitten Sie darum, die Überweisung zu stoppen. Bei normalen Überweisungen ist das manchmal noch möglich; bei Echtzeitüberweisungen ist es sehr schwierig, aber einen Versuch wert.
  • Beweise sichern: Löschen Sie den Chatverlauf nicht. Machen Sie Screenshots von allen Nachrichten und der Nummer des Betrügers.
  • Anzeige erstatten: Gehen Sie zur Polizei. Dies können Sie oft auch über die „Online-Wache“ Ihres Bundeslandes tun. Sie benötigen die Screenshots und den Überweisungsbeleg.
  • Nummer blockieren: Damit die Täter Sie nicht weiter belästigen.

Misstrauen ist der beste Schutz

Der „Enkeltrick 2.0“ funktioniert, weil er unsere Hilfsbereitschaft gegenüber der Familie ausnutzt. Die Täter spekulieren darauf, dass im Stress der Verstand kurz aussetzt und das Herz entscheidet.

Die wichtigste Regel lautet: Überweisen Sie niemals Geld aufgrund einer reinen Textnachricht – egal wie nah Ihnen die Person steht. Bestehen Sie immer auf ein persönliches Gespräch oder einen Anruf unter der altbekannten Nummer.

Über den Autor:

Michael W. Suhr | Baujahr 1974Dipl. Betriebswirt | Webdesign- und Beratung | Office Training
Nach 20 Jahren in der Logistik habe ich mein Hobby welches mich seit Mitte der 1980er Jahre begleitet zum Beruf gemacht, und bin seit Anfang 2015 als Freelancer im Bereich Webdesign, Webberatung und Microsoft Office tätig. Nebenbei schreibe ich soweit es die Zeit zulässt noch Artikel für mehr digitale Kompetenz in meinem Blog.
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