Safer Internet Day 2026: Wenn der beste Freund ein Algorithmus ist
Heute, am 10. Februar 2026, findet weltweit der Safer Internet Day (SID) statt. In Deutschland steht der Aktionstag in diesem Jahr unter einem hochaktuellen Vorzeichen: Die emotionale Bindung zwischen Mensch und Künstlicher Intelligenz.
Unter dem internationalen Motto „Together for a better internet“ rufen Initiativen weltweit zu mehr Sicherheit und Zivilcourage im Netz auf. In Deutschland koordiniert die EU-Initiative klicksafe den Tag und setzt 2026 einen spezifischen Schwerpunkt: „KI and me. In künstlicher Beziehung.“

Der Fokus 2026: Künstliche Beziehungen
Während in den vergangenen Jahren oft technische Sicherheit oder Cybermobbing im Zentrum standen, widmet sich der SID 2026 einer psychologischen und sozialen Dimension der Digitalisierung. KI-Begleiter, Chatbots und sogenannte „Companion-Apps“ sind längst im Alltag von Kindern und Jugendlichen angekommen. Sie fungieren als Ratgeber, Hausaufgabenhilfe oder sogar als Ersatz für menschliche Nähe.
Das diesjährige Thema beleuchtet kritisch, wie diese simulierten Beziehungen das Miteinander verändern:
5 Strategien für einen souveränen Umgang mit KI im Alltag
Um sich selbst und Kinder vor den emotionalen und datenschutzrechtlichen Fallstricken moderner KI-Systeme zu schützen, empfehlen Medienpädagogen am heutigen Safer Internet Day folgende vertiefende Maßnahmen:
Die „Als-ob“-Falle enttarnen (Entmystifizierung)
KI-Sprachmodelle sind darauf trainiert, so zu klingen, als hätten sie Gefühle. Sie nutzen Emojis, stellen Rückfragen („Wie geht es dir heute wirklich?“) und simulieren Empathie.
- Unser Tipp: Machen Sie sich und anderen immer wieder bewusst, dass es sich um eine Simulation handelt. Ein Chatbot „fühlt“ kein Mitleid, sondern berechnet statistisch die wahrscheinlichste tröstende Wortfolge.
- Praxisübung: Ändern Sie den Namen des Chatbots im Kontaktbuch (sofern möglich) von einem menschlichen Namen (z. B. „Anna“) in eine funktionale Bezeichnung (z. B. „Text-Roboter“). Das schafft psychologische Distanz.
Das „Datenschutz-Sandwich“ anwenden
Viele Nutzer behandeln KI-Chats wie ein privates Tagebuch. Doch Eingaben werden oft genutzt, um die Modelle weiter zu trainieren.
- Unser Tipp: Wenden Sie das Sandwich-Prinzip an. Nutzen Sie die KI für Struktur und Inspiration, aber füllen Sie den sensiblen Kern selbst aus.
- Konkrete Regel: Keine Klarnamen, keine Adressen, keine Gesundheitsdaten und keine Firmengeheimnisse in den Prompt eingeben. Sobald die Eingabe abgeschickt ist, haben Sie die Kontrolle über diese Daten oft verloren.
Faktencheck-Routine etablieren (Anti-Halluzination)
Auch 2026 neigen KIs noch zu sogenannten „Halluzinationen“ – sie erfinden Fakten, Quellen oder Ereignisse, die plausibel klingen, aber falsch sind.
- Unser Tipp: Nutzen Sie das „Zwei-Quellen-Prinzip“. Wenn eine KI eine Behauptung aufstellt (z. B. für ein Referat oder eine medizinische Info), muss diese durch eine externe Suchmaschine oder ein Fachbuch bestätigt werden.
- Warnsignal: Seien Sie besonders skeptisch, wenn die Antwort genau das bestätigt, was Sie hören wollten. KIs sind oft „Ja-Sager“ (Sycophancy).
Die „Blackbox“ in den Einstellungen öffnen
Viele Apps („Companion Apps“) haben Sicherheitseinstellungen, die standardmäßig deaktiviert oder versteckt sind.
Unser Tipp: Überprüfen Sie vor der Nutzung die Safety-Settings.
- Gibt es Filter für unangemessene Inhalte (NSFW-Filter)?
- Kann man den Chatverlauf löschen?
- Gibt es eine „Opt-out“-Funktion, damit die eigenen Daten nicht zum Training verwendet werden?
- Wenn eine App diese Optionen nicht bietet: Finger weg!
Analoges Ankern („Realitäts-Check“)
Gerade wenn KI als Gesprächspartner gegen Einsamkeit genutzt wird, droht eine Entwöhnung von echter, manchmal anstrengender menschlicher Interaktion.
- Unser Tipp: Setzen Sie Zeitlimits für KI-Interaktionen, ähnlich wie bei Social Media. Planen Sie bewusst „analoge Anker“ im Tag ein – echte Gespräche, Sport oder Hobbys ohne digitale Schnittstelle.
- Für Eltern: Achten Sie darauf, ob sich das Kind bei Problemen zuerst an die KI und dann an Sie wendet. Wenn die KI die primäre Bezugsperson wird, besteht Handlungsbedarf!
Fazit: Menschlichkeit als wichtigstes Update
Der Safer Internet Day 2026 macht deutlich, dass Medienkompetenz heute weit mehr bedeutet, als nur Passwörter zu schützen oder Fake News zu erkennen. Es geht um eine emotionale Resilienz gegenüber Algorithmen, die darauf trainiert sind, uns zu gefallen. Echte Beziehungen basieren auf Reibung, Widerspruch und tiefer Gegenseitigkeit – Qualitäten, die eine KI auch im Jahr 2026 technisch simulieren, aber niemals fühlen kann.
Doch der heutige Aktionstag ist auch ein konstruktiver Weckruf an die Gesellschaft: Wir dürfen die emotionale Bildung nicht der Technologie überlassen. Es liegt an Schulen, Eltern und jedem Einzelnen, Räume zu verteidigen, in denen menschliche Unperfektheit und echte Empathie wieder an Wert gewinnen – gerade weil sie nicht programmierbar sind.
Nutzen wir die Künstliche Intelligenz als das mächtige, hilfreiche Werkzeug, das sie ist, aber lassen wir nicht zu, dass sie zum Maßstab für unser soziales Miteinander wird. Ein wirklich sicheres Internet beginnt 2026 mehr denn je im Kopf und im Herzen der Nutzer, nicht nur in der Firewall.
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