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Warum wir monatlich zahlen, aber uns nichts mehr gehört

Schauen Sie sich in Ihrem Wohnzimmer um. Das Regal mit den DVDs, die CD-Sammlung, vielleicht sogar der Aktenschrank mit Software-CD-ROMs – all das verschwindet. An ihre Stelle sind Apps getreten: Netflix, Spotify, Microsoft 365, die Adobe Cloud.

Das Versprechen dieser schönen neuen Welt klingt verlockend: „Besitze nichts, habe Zugriff auf alles.“ Für einen kleinen monatlichen Betrag liegt uns die Welt zu Füßen. Doch dieser Komfort hat einen versteckten Preis. Wir erleben gerade einen fundamentalen Wandel vom Eigentümer zum „digitalen Mieter“.

Und das Risiko dabei ist größer, als viele wahrhaben wollen!

Warum wir monatlich zahlen, aber uns nichts mehr gehört

Themenübersicht

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Die Illusion der Unendlichkeit

Das Hauptproblem der sogenannten „Subscription Economy“ ist die Illusion von Beständigkeit. Wenn Sie früher eine Schallplatte kauften, gehörte sie Ihnen. Egal, ob der Plattenladen pleiteging oder der Künstler seine Meinung änderte – die Musik blieb in Ihrem Regal.

Heute kaufen wir keine Inhalte mehr, wir mieten nur noch den Zugang zu ihnen. Und dieser Mietvertrag ist einseitig kündbar. Ein erschreckendes Beispiel lieferte kürzlich Sony (PlayStation): Nutzer hatten Filme digital „gekauft“, doch als die Lizenzen ausliefen, wurden die Filme einfach aus den digitalen Bibliotheken der Kunden gelöscht. Geld weg, Film weg.

Das zeigt brutal deutlich: Digitaler „Kauf“ ist oft eine Lüge. Wir besitzen nichts, wir haben nur ein zeitlich begrenztes Nutzungsrecht.

Wenn die Sitzheizung plötzlich Miete kostet

Noch absurder wird es, wenn dieses Modell die digitale Welt verlässt und in unseren physischen Alltag eindringt. Autohersteller wie BMW experimentierten bereits damit, Hardware-Funktionen hinter eine Paywall zu sperren. Die Sitzheizung ist im Auto verbaut, die Kabel liegen, der Knopf ist da – aber er funktioniert nur, wenn Sie monatlich 18 Euro überweisen.

Das ist die nächste Stufe der Enteignung: Wir kaufen ein Gerät (das Auto, den Drucker, das Smart-Home-System), aber der Hersteller behält die Kontrolle darüber, wie und ob wir es nutzen dürfen. Wer nicht zahlt, friert im eigenen Auto.

Der Tod durch tausend Nadelstiche

Neben dem philosophischen Aspekt des fehlenden Eigentums gibt es ein ganz banales finanzielles Problem: Die Kostenkontrolle. Ein einzelnes Abo für 9,99 Euro tut nicht weh. Aber die Zersplitterung des Marktes (Netflix, Disney+, Amazon, DAZN, Apple, Cloud-Speicher, Gaming-Pass, Dating-App-Premium) führt dazu, dass viele Haushalte heute monatlich dreistellige Summen für Dinge ausgeben, die sie am Ende des Monats mit leeren Händen zurücklassen.

Kündigt man das Abo, ist man sofort auf Null. Nichts bleibt zurück – kein Wiederverkaufswert, kein Erbe, kein Archiv.

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Der „Geisel-Effekt“ bei Software

Dieser Punkt ist besonders schmerzhaft für Kreative und Büroarbeiter.

Das Problem: Bei Netflix verlieren wir nur Unterhaltung, wenn wir kündigen. Aber bei Arbeits-Software (wie Adobe Photoshop oder Microsoft 365) verlieren wir den Zugriff auf unsere eigene Arbeit. Wer früher Photoshop kaufte, konnte seine Dateien auch zehn Jahre später noch öffnen, selbst wenn er keine neue Version kaufte. Im Abo-Modell gilt: Zahlst du nicht mehr, kannst du deine eigenen Projektdateien oft nicht mehr bearbeiten. Deine Werke liegen hinter einer Paywall, für die du den Schlüssel nur mietest. Das ist keine Kundenbindung, das ist eine digitale Geiselnahme!

Geplante Obsoleszenz durch Server-Abschaltung

Das Abo-Modell erzeugt riesige Berge an Elektroschrott. Viele Geräte funktionieren nur mit Verbindung zum Hersteller-Server („Phone Home“).

Wenn ein Startup pleitegeht oder ein Großkonzern entscheidet, dass sich der Serverbetrieb für die smarte Türklingel von 2018 nicht mehr lohnt, wird funktionierende Hardware über Nacht zu Elektroschrott. Wir kaufen also Hardware mit einem unsichtbaren Verfallsdatum, das wir nicht kennen. Ein analoges Türschloss hält 50 Jahre; ein smartes Abo-Schloss hält so lange, wie der CEO es will.

Der psychologische „Anchor-Effekt“

Warum wir überhaupt so viele Abos abschließen. Wir verlieren das Gefühl für Geld.

120 Euro für eine Software wirken teuer. 9,99 Euro im Monat wirken billig („Das sind ja nur zwei Kaffee“). Unser Gehirn unterschätzt die summierten Kosten massiv. Unternehmen nutzen diesen psychologischen Trick gezielt aus. Nach drei Jahren haben wir 360 Euro gezahlt – und besitzen immer noch nichts!

Fazit: Die Rückkehr des Analogen?

Das Abo-Modell ist nicht per se böse. Es ermöglicht uns Zugang zu Dingen, die wir uns als Einzelkauf nie leisten könnten (wie Millionen von Songs). Aber wir müssen uns der Abhängigkeit bewusst sein.

  • Wir sollten wieder lernen, selektiv zu „besitzen“.
  • Lieblingsfilme, die man immer wieder sehen will, gehören auf eine Blu-ray ins Regal.
  • Wichtige Daten gehören auf eine lokale Festplatte, nicht nur in die Cloud.
  • Software sollte – wo möglich – als „Lifetime License“ gekauft werden.

Freiheit bedeutet auch, den Stecker ziehen zu können, ohne dass das eigene Leben (oder die Sitzheizung) sofort aufhört zu funktionieren.

Über den Autor:

Michael W. Suhr | Baujahr 1974Dipl. Betriebswirt | Webdesign- und Beratung | Office Training
Nach 20 Jahren in der Logistik habe ich mein Hobby welches mich seit Mitte der 1980er Jahre begleitet zum Beruf gemacht, und bin seit Anfang 2015 als Freelancer im Bereich Webdesign, Webberatung und Microsoft Office tätig. Nebenbei schreibe ich soweit es die Zeit zulässt noch Artikel für mehr digitale Kompetenz in meinem Blog.
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