Warum Social Media uns entfremdet und Verbote trotzdem der falsche Weg sind
Wir leben in einer Zeit der Hypervernetzung. Nie war es einfacher, mit Freunden am anderen Ende der Welt zu sprechen oder Gleichgesinnte für noch so nischige Hobbys zu finden. Doch wenn wir ehrlich in den Spiegel schauen – oder auf unseren Bildschirmzeit-Bericht –, müssen wir uns fragen:
Macht uns das „soziale“ Netz wirklich sozialer?
Und wie passt unsere Sorge um die Jugend mit dem Wunsch zusammen, ihnen politisch mehr Verantwortung zu geben?

Warum „Sozial“ oft nur ein Label ist
Der Begriff „Soziale Medien“ ist streng genommen ein Euphemismus. Plattformen wie TikTok, Instagram oder X (ehemals Twitter) sind in erster Linie Werbeunternehmen. Ihr primäres Ziel ist nicht die menschliche Verbindung, sondern die Aufmerksamkeitsökonomie.
Aktuelle Studien und Erkenntnisse der Psychologie zeigen, dass die Algorithmen darauf trainiert sind, emotionale Reaktionen zu maximieren. Leider fesseln Wut, Empörung und Angst unsere Aufmerksamkeit stärker als Harmonie. Das Ergebnis ist eine digitale Umgebung, die oft das Gegenteil von sozialem Verhalten fördert:
Die psychologische „Black Box“
Die Rufe nach Verboten kommen nicht von ungefähr. Die Psychologie liefert heute ein viel schärferes Bild davon, was auf dem Bildschirm eigentlich passiert. Es ist nicht einfach nur „Zeitvertreib“; es ist ein Kampf gegen die Biologie.
Das Paradoxon wird hier besonders deutlich: Wir trauen Jugendlichen zu, komplexe Parteiprogramme zu bewerten (Wahlrecht), gestehen ihnen aber biologisch nicht die Kompetenz zu, ihren eigenen Schlaf gegen einen Algorithmus zu verteidigen.
Blick über den Tellerrand – Wie die Welt reguliert
Deutschland steht mit dieser Debatte nicht allein da. Ein Blick ins Ausland zeigt, wie unterschiedlich Staaten versuchen, das Problem zu lösen – und wie radikal manche vorgehen.
Der Widerspruch bleibt: Während Länder wie Australien und Bundesstaaten wie Florida den 15-Jährigen quasi den digitalen Schnuller wegnehmen, um sie zu schützen, sehen wir in der politischen Bildung genau diese Altersgruppe als bereit an, über die Zukunft der Nation mitzuentscheiden. Es bleibt die Frage: Kann man politisch erwachsen, aber digital ein Kind sein?
Der Widerspruch: Wählen ja, Scrollen nein?
Der Weg nach vorn: Kompetenz statt Keule
Fazit: Ein Vertrauensvorschuss für die Zukunft
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