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RAM-Preisschock: Warum Arbeitsspeicher aktuell zum Luxusgut wird

Datum: 3. Januar 2026

Wer gehofft hatte, dass die Speicherpreise nach dem Weihnachtsgeschäft 2025 nachgeben würden, sieht sich heute enttäuscht. Ein Blick auf die Preisvergleichsportale an diesem ersten Wochenende im Januar 2026 zeigt: Die Kurve kennt weiterhin nur eine Richtung – nach oben. Ein 32-GB-Kit DDR5-6000 kostet heute im Schnitt 30 bis 40 Prozent mehr als noch vor einem Jahr.

Doch warum entspannt sich die Lage nicht? Aus heutiger Sicht lassen sich vier Hauptursachen für diese Hartnäckigkeit der hohen Preise identifizieren.

RAM-Preisschock

Themenübersicht

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1. Der „Wafer-Krieg“: HBM verdrängt DDR5 physisch

Der mit Abstand kritischste Faktor ist ein physikalisches Nullsummenspiel in den Fabriken (Fabs).

Die HBM-Kannibalisierung

Künstliche Intelligenz benötigt High Bandwidth Memory (HBM). Die aktuellen KI-Beschleuniger (wie Nvidias Blackwell-Serie oder AMDs MI-Reihe) verlangen nach HBM3E und dem gerade anlaufenden HBM4. Das Problem: Ein HBM-Wafer „kostet“ Produktionskapazität für drei DDR5-Wafer.

⇒ Die-Größe & Komplexität: HBM-Chips sind physisch größer als Standard-DRAM-Zellen.

⇒  Through-Silicon Vias (TSV): HBM besteht aus gestapelten Speicherchips, die vertikal durchbohrt und verbunden werden müssen. Dieser Prozess ist extrem zeitaufwendig und fehleranfällig. Eine Fertigungsstraße, die auf HBM umgerüstet wird, verliert massiv an Durchsatzmenge (Bits per Wafer).

Da die Gewinnmarge bei HBM um ein Vielfaches höher ist als bei Consumer-RAM, haben Samsung und SK Hynix im gesamten Jahr 2025 aggressiv Produktionslinien von DDR5 auf HBM umgerüstet. Das Ergebnis im Januar 2026: Es gibt schlichtweg weniger Quadratmeter Silizium, die für Ihren PC-Arbeitsspeicher zur Verfügung stehen.

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2. Das Ende des Marktanteil-Krieges

Jahrzehntelang kämpften die Speicherhersteller um Marktanteile, oft bis zur Selbstzerstörung durch Überproduktion. Diese Ära ist vorbei.

„Profit First“ als neue Doktrin

Nach den desaströsen Verlusten von 2023 haben die CEOs der Speicherriesen eine neue Strategie verordnet: Disziplinierte CapEx (Capital Expenditure). Anstatt neue Fabriken zu bauen, um die Produktion zu steigern, wird das Angebot künstlich knapp unter der Nachfrage gehalten. Investitionen fließen fast ausschließlich in:

  • HBM-Fertigung (für KI-Server).
  • High-End Enterprise SSDs.

Der klassische PC-DRAM-Markt wird nur noch „verwaltet“. Das Ziel ist nicht mehr, jedem Kunden Speicher zu verkaufen, sondern den durchschnittlichen Verkaufspreis (ASP – Average Selling Price) zu maximieren. Das ist ein kartell-ähnliches Verhalten, ohne dass es formeller Absprachen bedarf – die Interessenlage ist für alle drei Anbieter identisch.

3. Technologische Reibungsverluste: DDR5 am Limit

Wir befinden uns 2026 in einer schwierigen technologischen Übergangsphase.

Yield-Probleme bei High-Speed DDR5

Der Standard für Enthusiasten verschiebt sich gerade von 6000 MT/s auf 7200–8400 MT/s. Um diese Geschwindigkeiten stabil zu erreichen, benötigen die Hersteller extrem hochwertige Chips („A-Die“ Selektierung).

⇒ Die Ausbeute (Yield) sinkt: Je höher der Takt, desto mehr Chips fallen durch das Raster und müssen als minderwertiger (und billigerer) JEDEC-Standard verkauft oder entsorgt werden.

⇒ PMIC-Knappheit: DDR5 verlagert die Spannungsregulierung vom Mainboard auf das Modul (PMIC-Chip). Die Lieferkette für diese spezifischen Analog-Chips ist aufgrund der hohen Nachfrage aus der Autoindustrie (E-Mobilität) angespannt, was die Module verteuert.

Der CAMM2-Faktor

Zur CES 2026 sehen wir den breiten Rollout von LPCAMM2 (Low Power Compression Attached Memory Module) in Laptops und ersten High-End-Desktops. Dieser neue Formfaktor ersetzt SO-DIMM. Da die Fertigung von CAMM2 völlig neue Maschinen und Testverfahren erfordert, sind die Stückzahlen gering und die Preise extrem hoch. Dies zieht den durchschnittlichen Marktpreis nach oben.

4. Die makroökonomische „Schraubzwinge“

Auch externe Faktoren belasten die Kalkulation der Hersteller massiv.

⇒ Rohstoffpreise: Die Preise für hochreine Chemikalien (z.B. Fluorwasserstoff) und Edelgase (Neon, Krypton), die für die Belichtung der Wafer essenziell sind, sind gestiegen.

⇒ Energiekosten in Asien: Die Strompreise in Südkorea und Taiwan (den Hauptproduktionsstandorten) wurden 2025 drastisch angehoben, um die Netze zu stabilisieren. Da die Speicherfertigung extrem energieintensiv ist, werden diese Kosten 1:1 an den Endkunden weitergegeben.

⇒ Währungsschwankungen: Ein starker US-Dollar verteuert den Import von RAM in den Euro-Raum zusätzlich, da Speicher weltweit in Dollar gehandelt wird.

Fazit & Prognose für 2026

Die aktuelle Preislage ist keine Blase, die bald platzt, sondern das „neue Normal“. Arbeitsspeicher hat sich von einem billigen Massenprodukt (Commodity) zu einer strategischen Ressource gewandelt, um die sich nun PC-Gamer und KI-Rechenzentren streiten. Da die KI-Branche bereit ist, jeden Preis zu zahlen, hat der PC-Nutzer das Nachsehen.

Eine Entspannung ist frühestens Ende 2026 zu erwarten, wenn neue Fabriken in den USA und Europa (durch den Chips Act gefördert) nennenswerte Volumen liefern können. Bis dahin gilt: RAM ist Luxus!

Über den Autor:

Michael W. Suhr | Baujahr 1974Dipl. Betriebswirt | Webdesign- und Beratung | Office Training
Nach 20 Jahren in der Logistik habe ich mein Hobby welches mich seit Mitte der 1980er Jahre begleitet zum Beruf gemacht, und bin seit Anfang 2015 als Freelancer im Bereich Webdesign, Webberatung und Microsoft Office tätig. Nebenbei schreibe ich soweit es die Zeit zulässt noch Artikel für mehr digitale Kompetenz in meinem Blog.
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