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Amazon „Shop & Earn Deals“: Das neue Cashback-System im Detail

Amazon hat zum Jahreswechsel 2025/2026 eine strategisch wichtige Neuerung für den deutschen Markt ausgerollt. Unter dem Namen „Shop & Earn Deals“ (in einigen Bereichen auch als „Shop and Earn“ bezeichnet) führt der E-Commerce-Riese ein eigenes Bonusprogramm ein, das die Grenzen des eigenen Marktplatzes sprengt. Die Funktion zielt darauf ab, den Bezahldienst Amazon Pay als primäre Zahlungsmethode im externen Online-Handel zu etablieren.

Wir haben uns die Funktionsweise des Programms, sowie die potentiellen Vorteile für Kunden, als auch die strategischen Hintergründe von Amazon angeschaut.

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Themenübersicht

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Was ist Amazon „Shop & Earn“?

Im Kern ist „Shop & Earn“ ein hybrides Loyalitätsprogramm. Es verbindet die Mechanik klassischer Affiliate-Modelle (wie Shoop oder Payback) mit der Infrastruktur eines Zahlungsdienstleisters.

⇒ Kein Sofortrabatt: Ein entscheidendes Detail, das oft missverstanden wird, ist der Zeitpunkt der Vergütung. Der Kunde zahlt beim Drittanbieter den vollen Preis. Es findet keine Reduzierung des Rechnungsbetrages im Warenkorb statt.

⇒ Währungstransformation: Amazon verwandelt externes Geld in internes Guthaben. Wenn Sie bei einem Modehändler 100 Euro ausgeben und 10 % Earn-Rate haben, erhalten Sie 10 Euro. Diese 10 Euro sind jedoch kein Bargeld, sondern eine Gutschrift („Gift Card Balance“). Damit zwingt Amazon das Geld, in den eigenen Wirtschaftskreislauf zurückzukehren.

Das Programm richtet sich primär an Händler, die zwar die Reichweite von Amazon nutzen wollen, aber ihre Produkte nicht auf Amazon verkaufen möchten (z. B. wegen der hohen Verkaufsgebühren oder um die Markenidentität im eigenen Shop zu wahren).

Der technische Ablauf und die „User Journey“

Der Prozess ist technisch anspruchsvoller als ein einfacher „1-Click-Kauf“ auf Amazon. Er erfordert Disziplin vom Nutzer, da er auf dem „Opt-in“-Verfahren basiert.

A. Die Aktivierungsphase (Das Opt-in)

  • Der Prozess beginnt zwingend auf einer Amazon-Plattform (App oder Website).
  • Discovery: Amazon zeigt dem Kunden personalisierte „Shop & Earn“-Vorschläge, basierend auf dem bisherigen Kaufverhalten. Wer oft nach Sportschuhen sucht, sieht Angebote von Sportartikelherstellern.
  • Aktivierung: Der Kunde muss physisch auf „Deal aktivieren“ oder „Zum Shop“ klicken. Technisch wird hierbei ein Tracking-Cookie oder eine Session-ID generiert, die den Nutzer über den Browser hinweg markiert. Ohne diesen Klick weiß Amazon Pay beim späteren Bezahlvorgang nicht, dass ein Bonusanspruch besteht.

B. Der Transaktionsprozess

  • Warenkorb-Check: Der Einkauf findet komplett auf der Seite des Drittanbieters statt. Amazon hat hier keinen Einfluss auf Versandkosten oder Lieferzeiten.
  • Der „Amazon Pay“-Zwang: An der Kasse („Checkout“) entscheidet sich alles. Wählt der Kunde PayPal, Kreditkarte oder Rechnungskauf, verfällt der Bonus sofort. Nur die Auswahl des Buttons „Amazon Pay“ löst den Match mit dem zuvor aktivierten Deal aus. Hierbei werden die bei Amazon hinterlegten Adress- und Zahlungsdaten an den Händler übermittelt, was die Registrierung beim Händler oft überflüssig macht.
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C. Die Verifizierungsphase (Pending Period)

  • Nach dem Kauf wird das Guthaben nicht sofort freigegeben.
  • Sicherheitsfrist: Es gibt eine Wartezeit (oft 30 bis 60 Tage), die mit der Rückgabefrist korreliert. Würde Amazon das Guthaben sofort auszahlen und der Kunde schickt die Ware zurück, hätte Amazon einen Verlust. Das Guthaben erscheint im Konto oft als „Ausstehend“.
  • Gutschrift: Erst nach Ablauf der Frist wird der Betrag final dem Geschenkgutschein-Saldo hinzugefügt.

Warum Amazon Pay diesen Weg geht

Die Einführung ist kein Zufall, sondern eine Reaktion auf die Stagnation im Payment-Sektor.

⇒ Kampf um Marktanteile gegen PayPal: In Deutschland ist PayPal bei externen Shops der Platzhirsch. Amazon Pay wurde bisher oft ignoriert. Durch aggressive Rabatte (bis zu 15 %, finanziert durch Marketingbudgets der Partner oder Amazon selbst) „erkauft“ sich Amazon Pay Marktanteile. Kunden werden konditioniert, den Amazon-Button zu suchen.

⇒ Erweiterung des „Walled Garden“: Amazon weiß fast alles über seine Kunden – aber nur, was auf Amazon passiert. Durch „Shop & Earn“ schließt Amazon die Datenlücke. Sie erfahren nun:

  • Welche Marken kauft der Kunde, die es auf Amazon nicht gibt?
  • Wie hoch ist das Budget für Luxusgüter?
  • Wie oft kauft der Kunde in Nischenshops?

⇒ Werbeumsätze: Für externe Händler wird Amazon zur Werbeplattform. Sie bezahlen Amazon vermutlich eine Provision (Affiliate Fee) für jeden vermittelten Kunden. Amazon reicht einen Teil dieser Provision als Cashback an den Kunden weiter und behält die Differenz oder nutzt die Daten als Gegenwert.

Die Vor- und Nachteile

Vorteile für den Konsumenten

  • Massive Ersparnis: Die Raten von 10–15 % sind im Cashback-Markt ungewöhnlich hoch. Klassische Portale bieten oft nur 2–5 %.
  • Datensicherheit: Da die Zahlung über Amazon Pay läuft, müssen sensiblen Kreditkartendaten oder Bankverbindungen nicht an unbekannte, kleinere Online-Shops weitergegeben werden. Der kleine Shop sieht nur die Lieferadresse und die Zahlungsbestätigung.
  • Bequemlichkeit: Das mühsame Erstellen von Kundenkonten bei jedem einzelnen Online-Shop entfällt („Gastbestellung via Amazon Pay“).

Risiken und Nachteile

  • Der „Goldene Käfig“ (Lock-in-Effekt): Wer 100 Euro Cashback sammelt, muss diese bei Amazon ausgeben. Das bindet den Kunden noch stärker an den Konzern und schadet potenziell dem lokalen Einzelhandel oder anderen Plattformen.
  • Tracking & Privacy: Der Nutzer verkauft seine Daten gegen Rabatt. Amazon erstellt ein noch umfassenderes Profil, das nun auch das Einkaufsverhalten außerhalb der Amazon-Welt beinhaltet.
  • Intransparenz bei Preisen: Es besteht die Gefahr, dass Nutzer blind kaufen, um den Cashback zu erhalten, ohne zu prüfen, ob der Artikel in einem anderen Shop (ohne Amazon Pay) vielleicht von vornherein günstiger gewesen wäre.

Fazit

„Shop & Earn Deals“ ist Amazons Antwort auf eine fragmentierte E-Commerce-Welt. Es ist einfach ein cleverer Schachzug, um die Relevanz von Amazon Pay massiv zu steigern. Für den „Smart Shopper“, der Preise vergleicht und ohnehin Amazon-Kunde ist, stellt dies die aktuell lukrativste Möglichkeit dar, Online-Einkäufe zu tätigen.

Langfristig könnte dies sogar dazu führen, dass Amazon Pay zu einer echten „Super-Wallet“ wird, die nicht nur Zahlungen abwickelt, sondern als zentraler Hub für alle Online-Shopping-Aktivitäten dient – auch jene, die gar nicht auf Amazon stattfinden.

Über den Autor:

Michael W. Suhr | Baujahr 1974Dipl. Betriebswirt | Webdesign- und Beratung | Office Training
Nach 20 Jahren in der Logistik habe ich mein Hobby welches mich seit Mitte der 1980er Jahre begleitet zum Beruf gemacht, und bin seit Anfang 2015 als Freelancer im Bereich Webdesign, Webberatung und Microsoft Office tätig. Nebenbei schreibe ich soweit es die Zeit zulässt noch Artikel für mehr digitale Kompetenz in meinem Blog.
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